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Fassungstypen für Goldschmiede: Krappen-, Zargen-, Pavé- und Chatonfassung im Überblick

Welche Fassung passt zu welchem Stein? Die Wahl des Fassungstyps hat Folgen für Sitzsicherheit, Lichteinfall und Fertigungsaufwand. Vier Grundtypen decken den größten Teil der Werkstattpraxis ab.

Krappenfassung, Zargenfassung, Chatonfassung oder Pavé – welche Konstruktion passt zu Ihrem Stein?

Becker & Kerschner führt alle vier als Fertigfassungen und Halbzeug für die eigene Herstellung, ab 15 Euro netto, ohne Kundenkonto.

Fassungstypen für Goldschmiede: Krappen-, Zargen-, Pavé- und Chatonfassung im Überblick

Becker & Kerschner
2026-06-22 00:00:00

Die Krappenfassung: maximaler Lichteinfall, minimaler Materialeinsatz

Die Krappenfassung hält den Stein durch 3 bis 8 Edelmetalldrähte, die sogenannten Krappen, die in gleichmäßigen Abständen um den Stein gesetzt werden. 4er- und 6er-Krappen sind in der Werkstatt am weitesten verbreitet. Jede Krappe hat an ihrer Innenseite eine Steinauflage, eine Einkerbung, auf der der Stein mit seiner Rundiste aufliegt.

Fertigungsablauf: Der Goldschmied setzt den Stein auf die Auflagen, prüft den Sitz und drückt die Krappen mit Fasserpunzen und Hammer vorsichtig gegen die Stein-Rundiste. Zum Schluss werden die Krappenkuppen abgerundet. Werkzeuge: Fasserpunzen, Hammer, Kugelfräser (zum Einarbeiten der Steinauflage bei Eigenbaufassungen), Kronenbohrer.

Stärken: Maximaler Lichteinfall von oben und seitlich — Brillanz facettierter Steine kommt voll zur Geltung. Wenig Edelmetall verdeckt den Stein. Nachjustierbar bei leichtem Nachgeben der Krappen.

Grenzen: Steine mit empfindlichen Ecken sind problematisch: Marquise-Schliff, Baguette, spitze Tropfenformen. Der Druck konzentriert sich auf einen Punkt und kann den Stein beschädigen. Für diese Schliffformen ist die Zargenfassung die bessere Wahl. Typische Anwendung: Solitär-Brillantring, Anhänger mit einzelnem Edelstein, Ohrstecker.

Die Zargenfassung: Schutz durch geschlossenes Metallband

Die Zargenfassung gehört zu den ältesten Fassungstypen der Goldschmiedekunst. Ein schmales Edelmetallband, die Zarge, umschließt den Stein an seiner Rundiste vollständig. Außenzarge: ca. 1 mm Wandstärke; Innenzarge als Steinauflage: ca. 0,6 mm. Die überstehende Zargenoberkante wird nach dem Einsetzen über die Rundiste gedrückt und fixiert den Stein formschlüssig.

Fertigungsablauf: Zargenring biegen und löten, Innenzarge einlöten, Steinauflagehöhe anpassen, Stein einsetzen, Zargenoberkante andrücken und polieren. Varianten: gerade Zarge (zylindrisch), bauchige Zarge (nach außen gewölbt), ovale und rechteckige Zargen für Fancy-Schliffe, geschwärzte Zarge für Kontrast-Effekte.

Stärken: Rundum-Schutz für die Stein-Girlandenkante — besonders bei empfindlichen Steinen wie Smaragd oder Paraiba-Turmalin. Klare, zeitlose Optik. Geeignet für Steine ohne Facetten (Cabochons) ebenso wie für facettierte Steine.

Grenzen: Bei sehr flacher Girlandentiefe sitzt die Zarge nicht sicher. Passgenaue Maßarbeit ist Pflicht: 0,1 mm zu weit und der Stein klemmt nicht zuverlässig. Wann Zarge statt Krappe: Empfindliche Stein-Konturen, cleane Ringoptik ohne sichtbare Halteelemente, oder mechanische Alltagsbelastung (Arbeitsring, Partnerring). Die runde Zargenfassung ist bei Brillanten der häufigste Einstieg.

Die Chatonfassung: Arkadenkrone für Edelsteine

Die Chatonfassung (vom Französischen „chaton" für Fassung) kombiniert Zargenring und Krappen in einem Bauteil. Ein schmales Edelmetallband umgibt den Stein an der Rundiste, darüber setzen 4 oder 6 Krappen an. Das Ergebnis erinnert an eine Krone oder Arkade. Die Unterseite bleibt offen, der Stein erhält Lichteinfall von unten. Krappenhöhe: 1,5 bis 3,5 mm über der Zargenoberkante, je nach Steingröße.

Stärken: Verbindet Sitzsicherheit der Zarge mit der Brillanz-Wirkung der Krappe. Klassische Optik für Solitärschmuck (Verlobungsringe, Anhänger). Geeignet für runde, ovale und herzförmige Steine.

Fertigungsaufwand: Chatonfassungen als Fertigteil im Sortiment von beke.de stark nachgefragt. Eigenbau ist aufwendiger als Krappen- oder Zargen-Einzelfertigung. Grenzen: Für Steine unter 2 mm Durchmesser konstruktiv aufwendig — hier ist Pavé die wirtschaftlichere Wahl.

Die Pavé-Fassung: flächige Steindeckung durch Körner

Der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet „gepflastert". Viele kleine Steine werden so dicht gesetzt, dass kaum Metall zwischen ihnen sichtbar ist — häufig Brillanten zwischen 1 mm und 2,5 mm Durchmesser. Winzige Metallkügelchen, die Körner, halten je zwei gegenüberliegende Steine.

Fertigungsablauf: Metalloberfläche mit Kugelfräser einarbeiten (Steinsitze vorbereiten) → Steine einsetzen und Tiefe kontrollieren → mit Stichel Körner anstechen und freistochen (4–6 Körner je Stein) → Körner mit Körnerpunze zurunden → Oberfläche polieren. Werkzeuge: Kugelfräser (Schaft 2,34 mm), Stichel, Körnerpunzen, Piezometer.

Stärken: Maximale Steinpräsenz auf kleiner Metallfläche. Sehr gefragter Effekt bei modernen Schmuckkollektionen. Geeignet für geschwungene und gestufte Flächen.

Grenzen: Steine müssen auf 0,1 mm Größengleichmäßigkeit kommen, sonst kein gleichmäßiger Körnerabstand. Zeitintensiv: 50-Stein-Ringschiene = 3–6 Stunden auch für erfahrene Goldschmiede. Gravur oder Nachreparaturen an pavierten Flächen sind aufwendig.

Welcher Stein passt in welche Fassung: Übersicht

Steinform / Schliff Krappe Zarge Chaton Pavé
Brillant rund sehr gut gut sehr gut gut (Nebenstein)
Oval / Tropfen gut gut gut nein
Marquise / Navette bedingt sehr gut bedingt nein
Baguette / Carré nein sehr gut nein nein
Cabochon bedingt sehr gut bedingt nein
Emerald-Schliff gut sehr gut gut nein
Kleine Brillanten 1–2,5 mm nein nein nein sehr gut

Grundregel: Je empfindlicher die Stein-Kontur, desto mehr Schutz braucht die Fassung: Zarge oder Chaton. Je mehr Brillanz ein facettierter Stein entwickeln soll, desto offener die Konstruktion: Krappe oder Chaton. Pavé bleibt ausschließlich Nebensteinflächen mit einheitlichen Kleinststeinen vorbehalten.

Fertigungsaufwand im Vergleich

Die Krappenfassung ist der Einstieg. Fertigfassung einlöten, Stein einsetzen, Krappen anbiegen. Geübte Goldschmiede setzen einen Brillanten in 15 bis 30 Minuten.

Die Zargenfassung verlangt mehr Passgenauigkeit, ist aber mit Fertigzargen aus dem Sortiment von Becker & Kerschner deutlich rationalisierbar.

Die Chatonfassung liegt im mittleren Aufwandsbereich. Fertigteile ersparen das Löten des Kronenkorpus.

Die Pavé-Fassung ist handwerklich anspruchsvoll und zeitaufwendig. Wer Körner zum ersten Mal sticht, braucht eben Übungsmaterial und Geduld.

FAQ: Fassungstypen für Goldschmiede

Die Krappenfassung mit 4 oder 6 Krappen ist der klassische Einstieg. Fertigfassungen aus dem Becker & Kerschner-Sortiment reduzieren den Eigenbauaufwand auf das Einsetzen und Andrücken der Krappen. Voraussetzung: runder Stein mit sauberer Rundiste, passend zum Innendurchmesser der Fassung (Toleranz ±0,1 mm).

Die Zargenfassung ist die bessere Wahl, wenn der Stein empfindliche Ecken oder Kanten hat (Marquise, Baguette, Carré), wenn der Schmuck mechanischer Belastung ausgesetzt ist, oder wenn die Optik keine sichtbaren Halteelemente erlaubt. Für Cabochons ohne Facetten ist die Zarge fast immer erste Wahl.

Ja. Für Solitärschmuck (Verlobungsring, Anhänger mit Mittelstein) bietet die Chatonfassung mehr Sitzsicherheit als die reine Krappenfassung, ohne den Stein so stark zu verdecken wie eine geschlossene Zarge. Fertigchatonfassungen aus Gold 585 und Silber 925 sind bei Becker & Kerschner lagermäßig verfügbar.

Die Pavé-Fassung ist für Brillanten und andere Nebensteinfassungen im Durchmesserbereich von 1 mm bis 2,5 mm ausgelegt. Größere Steine werden nicht paviert. Abweichungen über 0,1 mm in der Steingröße machen den gleichmäßigen Körnerabstand unmöglich.

Becker & Kerschner führt alle vier Fassungstypen als Fertigteil und Halbzeug für Goldschmiede, Juweliere und Schmuckhersteller. Chatonfassungen und Krappenfassungen in Gold 585, Gold 750 und Silber 925, Zargen als Meterware in verschiedenen Höhen und Wandstärken, dazu das nötige Fasswerkzeug (Kugelfräser, Fasserpunzen, Stichel). Mindestbestellwert 15 Euro netto, Bestellung ohne Kundenkonto möglich.

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Goldschmiedebedarf für die Werkstatt: Krappen-, Zargen- und Chatonfassungen in Gold 585, Gold 750 und Silber 925. Mindestbestellwert 15 Euro netto, keine Pflicht-Registrierung.